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Remeha plant erneut die Markteinführung eines Brennstoffzellen-BHKW

  • Louis-F. Stahl
  • 5. Februar 2019 um 22:57
  • 16.735 Mal gelesen
  • 3 Kommentare

Auf der ISH 2015 – vor knapp vier Jahren – kündigte die zum BDR-Thermea-Konzern gehörende Marke SenerTec mit dem Dachs InnoGen die Markteinführung eines Brennstoffzellen-Nano-BHKW mit 700 Watt elektrischer Leistung an. Die Konzernschwestern Brötje und Remeha folgten mit ihren Präsentationen der gleichen Brennstoffzelle genau zwei Jahre später auf der ISH 2017. Passiert ist seit diesen drei Ankündigungen jedoch schlicht: nichts. Mit der noch brandheißen Bekanntgabe der Markteinführung eines "neuen" Brennstoffzellenheizgerätes für den Sommer 2019 und dessen Vorstellung auf der Messe ISH 2019 im März durchbricht Remeha jetzt die konzernweite Brennstoffzellen-Eiszeit.

Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Warum eine Brennstoffzelle?
  2. Erster Anlauf 2015
  3. Was der Konkurrenz in der Zwischenzeit nicht gelang
  4. Zwei erfolgreiche Ausnahmen
  5. Zweiter Anlauf 2019

Warum eine Brennstoffzelle?

Brennstoffzellen haben gegenüber motorischen Blockheizkraftwerken (BHKW) zahlreiche Vorteile. Sie erzeugen nur wenig Wärme – meist weniger als für das Warmwasser benötigt wird – und können dadurch, im Gegensatz zu den erheblich mehr Abwärme produzierenden Motoren, das ganze Jahr über rund um die Uhr laufen und Strom erzeugen. Zudem arbeiten Brennstoffzellen abgesehen von einem Lüfter nahezu geräuschlos, ganz im Gegensatz zum deutlich hörbaren Brummen von Motoren klassischer BHKW mit einem Verbrennungsmotor. Doch bisher befand sich die seit über 20 Jahren als Zukunftstechnologie gehandelte Technik in einem Teufelskreis: Geringe Stückzahlen sorgten für hohe Fertigungskosten – und die hohen Preise für eine anhaltend geringe Nachfrage. Ganz anders in Japan: Dort begann die Regierung ab 2009 Fördergelder nicht – wie in Deutschland – für die Forschung auszugeben, sondern für die Installation von Brennstoffzellen bei Endkunden. Toshiba und Panasonic begannen in rasantem Tempo ihre Entwicklungsprojekte in serienreife Anlagen zu transformieren. Bis Mitte 2018 wurden rund 250.000 Brennstoffzellen-Heizungen in japanischen Haushalten installiert.

Remeha CalentaFC 390 mit Brennstoffzelle von Toshiba auf der ISH 2017 | Foto: Louis-F. Stahl Remeha CalentaFC 390 mit Brennstoffzelle von Toshiba auf der ISH 2017 | Foto: Louis-F. Stahl

Erster Anlauf 2015

Gleichwohl die bis heute ausgebliebene Brennstoffzellen-Markteinführung der bei SenerTec sowie Brötje als "InnoGen" und von Remeha als "CalentaFC" bezeichneten Brennstoffzelle des japanischen Herstellers Toshiba Anlass für Spott bieten könnte, so wäre dies vollkommen verfehlt. Denn die Schuld trifft weniger die drei Heiztechnikmarken der BDR-Thermea-Gruppe, sondern viel mehr den eigentlichen Hersteller der Brennstoffzelle. Dieser musste im Sommer 2017 die Fertigung von Erdgas-Brennstoffzellen einstellen. Der Grund waren jedoch nicht die als sehr zuverlässig geltenden – und sich in Japan mit über 100.000 Einheiten bis dahin wie geschnitten Brot verkaufenden – Toshiba-Brennstoffzellen. Der Toshiba-Konzern hatte sich viel mehr durch Bilanzmanipulationen sowie die Insolvenz seiner Nuklearsparte derart in Schieflage gebracht, dass die erfolgreiche Brennstoffzellenproduktion im Zuge der Konzernrettung und Restrukturierung unter die Räder geriet.

Remeha CalentaFC 390 | Foto: Louis-F. Stahl Remeha CalentaFC 390 | Foto: Louis-F. Stahl

Was der Konkurrenz in der Zwischenzeit nicht gelang

Im Vergleich zu Japan sieht es hierzulande jedoch allgemein recht düster aus: Die „XellPower“ von Vaillant mit einem Brennstoffzellen-Stack des Dresdner Herstellers Sunfire war zwar sehr effizient, wurde aber noch vor der Markteinführung als nicht wirtschaftlich identifiziert und gestoppt, bevor Vaillant seine gesamte BHKW-Sparte einstampfte. Das ehemalige Münchner Start-Up Elcore konnte zwar einige hundert Brennstoffzellen absetzen, doch Betreiber klagten über ständige Reparaturen oder den häufigen Austausch der Zellen. Im Oktober 2017 musste das Unternehmen schließlich Insolvenz anmelden. Immerhin hat sich mit Freudenberg Sealing ein Käufer für die Rechte an der Entwicklung der Elcore-Zelle gefunden – Besitzern einer solchen Anlage hilft dies im Störungsfall jedoch kaum, wie diese im DiskussionsFORUM berichten. Ebenfalls glücklos war Bosch Thermotechnik mit seinen Marken Buderus und Junkers: Wie sich zur Fachmesse SHK Essen 2018 herausstellte, konnte die in den Heizungen von Bosch verbaute Brennstoffzelle aus dem Hause Aisin Seiki wohl nicht überzeugen – die Partnerschaft soll nicht fortgesetzt werden.

Zwei erfolgreiche Ausnahmen

Besser sieht es hingegen bei der seit 2011 erhältlichen und im deutschen Heinsberg gefertigten BlueGen-Brennstoffzelle aus. Zwar ging auch deren Hersteller Ceramic Fuel Cells vier Jahre nach der Markteinführung in die Insolvenz. Die Fertigung sowie ein guter Teil des Personals wurden jedoch vom Unternehmen SolidPower übernommen. Mit einer elektrischen Leistung von 1,5 kW eignet sich der BlueGen jedoch in erster Linie für Gewerbetreibende und kleine Mehrfamilienhäuser. Aufgrund der technisch herausfordernden Hochtemperatur-Brennstoffzellentechnik ist die Lebensdauer des sogenannten Brennstoffzellen-Stacks des BlueGen sowie dessen kürzlich angekündigtem Nachfolger "BlueGen BG-15" zudem auf wenige Jahre begrenzt und schlägt sich in vergleichsweise hohen Wartungskosten nieder, in denen ein Austausch der Zelle eingepreist ist.

SolidPower BlueGen auf der Hannover Messe 2011 | Foto: Louis-F. Stahl SolidPower BlueGen auf der Hannover Messe 2011 | Foto: Louis-F. Stahl

So ist für kleinere Objekte einzig die in Deutschland seit dem Jahr 2013 von Viessmann unter dem Namen Vitovalor vertriebene Niedertemperatur-Brennstoffzelle des japanischen Herstellers Panasonic übriggeblieben, die mit 750 Watt elektrischer Leistung ausreichend Strom und Wärme für Ein- und Zweifamilienhäuser bereitstellten kann und eine erwartete Lebensdauer von rund 10 Jahren aufweist. Angeboten wird diese Brennstoffzelle derzeit noch exklusiv von Viessmann unter dem Produktnamen „Vitovalor PT2“ in Kombination mit einem Brennwert-Spitzenlastkessel, einer Warmwasserbereitung und weiteren Systemkomponenten in einem kompakten Gehäuse. Ab dem Frühjahr 2019 soll die Brennstoffzelle als „Vitovalor PA2“ auch separat zur Nachrüstung angeboten werden.

Viessmann Vitovalor PA2 und PT2 auf der SHK Essen 2018 | Foto: Louis-F. Stahl Viessmann Vitovalor PA2 und PT2 auf der SHK Essen 2018 | Foto: Louis-F. Stahl

Zweiter Anlauf 2019

Mit der jetzt erfolgten Ankündigung von Remeha, auf der ISH vom 11. bis 15. März 2019 in Halle 12.1 eine neue Brennstoffzelle mit den Leistungsdaten "750 W elektrisch und 1.100 thermisch" zu präsentieren, die bereits im Sommer 2019 an Kunden ausgeliefert werden soll, lässt darauf schließen, dass die bisher zwischen Viessmann und Panasonic bestehende Partnerschaft in Kürze an Exklusivität verlieren wird. Denn gleichwohl Remeha Panasonic bisher nicht explizit als neuen Lieferanten der Zelle seines Brennstoffzellenheizgerätes benennt, sprechen die technischen Daten sowie seit Monaten kursierende Gerüchte in der Branche und auch inoffizielle Äußerungen von Mitarbeitern aus Herstellerkreisen im Gespräch mit den ProsumerNEWS eine eindeutige Sprache: Dass im März eine neue Partnerschaft zwischen der BDR Thermea Gruppe und Panasonic bekanntgegeben wird. Konkurrenz belebt gemeinhin das Geschäft und den noch immer hohen Preisen für Brennstoffzellenheizgeräte wird der neue Wettbewerb zwischen dem Platzhirsch Viessmann und der BDR Thermea Gruppe mit ihren Marken Remeha, SenerTec und Brötje gewiss nicht schaden. Ob Brötje und SenerTec ebenfalls auf der ISH eine eigene Inkarnation der Panasonic-Brennstoffzelle vorstellen werden, bleibt jedoch noch abzuwarten.

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Louis-F. Stahl
8. März 2019 um 17:21
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GM1967
8. Februar 2019 um 14:31

Naja, das liegt wohl daran daß Toshiba sich vom Markt verabschiedet, deswegen wurde der InnoGen nicht mehr aktiv beworben. Aber es gibt ihn zu kaufen, Senertec hat wohl noch einige.

Aber zu kaufen gibts die anscheinend nur per Anfrage an Senertec.

Neuendorfer
8. Februar 2019 um 16:31

Naja, was möchte man mit einer Brennstoffzelle, deren Hersteller auf Tauchstation ist? Prinzipiell sind ja nur Filter zu tauschen. Aber schon Kleinigkeiten wie eine Pumpe kann haarig werden. Zumal die Frage ist, bis welcher Ebene SenerTec als Verkäufer in der Wartungssoftware der Toshiba-Zelle kommt. So lausig programmiert wie ein EcoPower 1.0 Regler wird Toshiba seine Steuerung wohl nicht gebacken haben. ;)

Heizi11
6. Februar 2019 um 18:51

Toll das es wieder neue Infos gibt. Die letzten Monate kam auf der Infothek ja auch nichts mehr. Toll auch dass ihr kritisch bleibt. Ansonsten gibt es an SHK Nachrichten leider nur nutzlosen Werbemüll...

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