Entsteht Entsolidarisierung durch Eigenverbrauchsförderung?

  • Es wäre auch an der Zeit, sich mehr mit dem Gedanken des damit notwendig nächsten Überganges von der "verbrauchernahen - dezentral" zur "verbrauchsnahen - bedarfsdeckenden" Erzeugung zu beschäftigen ! Die KWK-Vergütungen sind ja jetzt schon nicht mal kostendeckend - auch nicht bei 5,41 Cent/kWh ! Da uns die 30 Cent/kWh ja schon provokatorisch in die Augen schauen, wird den Zusatzstrombezug maximal zu senken immer mehr relevant gegenüber der "Überschußeinspeisung" !
    Ansonsten ist o.G. nichts mehr hinzuzufügen :applaus:

  • Es ist unverkennbar: die großen Stromerzeuger wollen unseren umweltfreundlich erzeugten Strom nicht und zeigen sich höchst unsolidarisch.
    Da wird Wind- und Solarstrom mit zusätzlicher Vernichtungsgebühr ins Ausland geleitet, während der Atomstrom weiter unvermindert ins Netz fließt und von uns bezahlt wird. Solidarisch kann ich das nicht nennen.
    Solidarisch würde ich es nennen, wenn die Stromerzeuger und Netzbetreiber die längst bezahlten Netze kostenlos zur Verfügung stellten und dafür alle Förderungen zukünftig streichen.
    In einer Solidargemeinschaft würde man Wege finden, das Stromnetz ohne große Kosten zu stabilisieren und auszubauen. Aber auch der Gesetzgeber stellt einem ziemlich großen Teil der Solidargemeinschaft, den Bürgern, lauter Widerstände in den Weg. Nein, die Bundesregierung denkt nicht daran, etwas zu ändern und auf diesen Teil der Solidargemeinschaft Rücksicht zu nehmen.

    Von der Politikerriege innerhalb der Solidargemeinschaft kann man sich notgedrungen nur abgrenzen, wenn man überleben will. Wir sollten die Tatsachen nicht umdrehen.
    Es ist unfassbar, was da läuft. An der Börse werden Netze einschließlich den damit verbundenen Monopolen verkauft, um scheinbare Kosten zu erzeugen und den Bürgern aufzubürden.

  • Hallo miteinander,

    erstmal finde ich es gut,
    dass unser Vereinsmitglied Gunnar hier offensiv das Thema anspricht.
    Leider finden viele in der Branche -und auch anderer Eigenerzeugerbranchen- das Thema falsch
    und wollen darüber nicht diskutieren, weil sie es für völlig deplaziert und ungerechtfertigt halten.

    Das halte ich widerum für nicht richtig,
    denn das Thema -wenn auch polititisch motiviert- wird uns sicherlich einige Zeit beschäftigen.

    und @ Bernd
    ich halte es nicht für richtig hier mit den Finger auf die großen Stromerzeuger zu zeigen
    ....das Thema verdient eine detailliertere Analyse.

    ---------

    Zum Thema
    habe ich durchaus eine etwas andere Meinung, da ich die Diskussion darüber für Grundsätzlich RICHTIG halte.

    Natürlich ist der Vergleich mit dem effizienten Kühlschrank nicht schlecht,
    der braucht auch weniger Strom und entsolidarisiert sich von den Gemeinkosten (insbesondere Netzentgelten und Umlagen).
    Aber bei detaillierter Betrachtung ist der Vergleich doch ein wenig hinkend,
    denn bei verstetigter Leistungsaufnahme des Kühlschranks, wird er annähernd den gleichen Verbrauch haben und sien Nutzer...einen gleichbleibenden Netzbezug...echte Grundlast.
    Beim Eigenerzeuger -weniger KWK, eher PV- hingegen, wird abhängig von der Wetterlage sein zusätzlichen Netzbezug ordentlich schwanken und gerade dann wenn die höchste Netzbeanspruchung auftaucht (das sind die Abendstunden im Winter) auch seinen maximalen Netzbezug haben...und Spitzen sind das, was das Netz teuer macht.

    Nicht die Arbeit (Verbrauchsmengen) sind das Problem,
    sondern die Spitzen, die auch teuer sind und dies wird überhaupt nicht bei Lastprofilkunden und deren Einspeisern beim aktuellen Marktdesign abgebildet.

    Aber nicht nur das ist problematisch im aktuellen Marktdesign,
    sondern auch, dass die Netzentgelte vom Gesetzgeber festgelegt sind. Hier meine ich nicht die Renditebeschränkung, sondern die Art der Ermittlung,
    die auf eine starre Grenze von 2.500 Jahresnutzungsstunden(bei Leistungsgemessenen Kunden) beruht. Und hierbei ist es vollkommen unerheblich, ob die relevante Maximallast des Kunden sher ungünsitg zur Netzlast liegt oder absolut netzschonend.

    Ein gern von mir genomenes Beispiel
    Eine Berliner Diskothek(Betrieb in typischen Schwachlastzeiten mit oftmals Windstromüberschuss aus Brandenburg) würde die gleichen Netzentgelte zahlen, wie eine elektrisch betriebene Großküche, die täglich in die Mittagsspitze donnert.

    Thesen
    - Das Thema Entsolidarisierung bekommt man nicht vom Tisch
    Deshalb sollte man sich (gerade die Branchenvertreter) sich mit ihm auseinandersetzen
    - Das was man unter Entsolidarisierung versteht ist meines Erachtens durchaus vorhanden
    auch wenn -politisch motiviert- die kleinen Eigenerzeuger zu Unrecht überbewertet werden.
    Da gibt es viel mehr Ausnahmetatbestände von Industriellen Großkunden, über Landwirtschaft etc. deren unsolidarischer Effekt viel höher ist
    - ursächlich für den als unsolidarisch empfundenen Effekt ist ein fehlerhaftes Marktdesigen,
    was die Verursacherstruktur nicht angemessen an den Kosten beteiligt

    Ich fände es durchaus Begrüßenswert,
    wenn die Debatte um Entsolidarisierung zu einem Überdenken des Marktdesigns führt.
    Dies ist rein politisch und schon eine Veränderung der Netzentgeltverordnung (nichtmal ein Gesetz !!! somit leicht was zu drehen) könnte hier schnell Großes bewirken. Und gerade hier müssten sich deutliche Verbesserungen für die KWK ergeben, da diese ein absolut günstiges Verhältnis von Produktions- zu Nachfrageverhalten haben.

  • Danke, firestarter, damit hast Du einen sehr wichtigen Punkt angesprochen, die Vermeidung von Lastspitzen und den Ausgleich von Angebot und Nachfrage.
    Ich habe ein Konzept, in dem Angebot und Nachfrage von Energie voll aufeinander abgestimmt sind und trotzdem steht das ganze Jahr über eine überreichliche m
    Menge Reserveenergie und Reservelast zur Verfügung. So: BHKWs werden in einer Größe gebaut, die weit über den Eigenbedarf an Strom hinausgeht. Gleichzeitig müssen im gleichen Teilnetz in solcher Zahl Wärmepumpen aufgestellt werden, dass die gesamte Stromerzeugung des BHKWs davon aufgenommen werden kann. Zudem würde ich eine möglichst wegehendete wärmemäßige Anbindung von Nachbarn fordern, gerade solchen, die auch eine Wärmepumpe besitzen. So werden sehr große Mengen Regelleistung frei, die bei Angebotsspitzen zur Abschaltung aller BHKWs führen, deren Betreiber von den umliegenden Wärmepumpenbetreibern mitversorgt werden. Die Finanzierung kann nur ein gemeinsames Projekt sein. Netzanschlussgebühren und Versteuerung der Arbeitsteilung haben da überhaupt nichts zu suchen.
    Nein, unsere Umwelt ist ein Solidarprojekt und wir dürfen uns zukünftig nicht mehr durch Besteuerung und Wegelagerergebühren von unserem eigentlich gemeinsamen Projekt abbringen lassen.
    Ich werde den Solidaritätswillen der ENBW testen und an diese appellieren, die einst durch deren Stillegungsprämien inszenierte Zerstörung von Kleinstwasseranlagen rückgängig zu machen.
    Ich musste mehrere Projekte von Wärmepumpenanlagen aufgeben, weil die unsolidarische Stromverteuerung deren Betrieb allzu unwirtschaftlich machte, obwohl ein COP von 5 im Jahresschnitt erreicht wurde. Die Gesetzgebung ist nun so, dass ein gleichzeitiger Betrieb beider Anlagentypen ebenfalls bzw. noch unwirtschaftlicher ist. Nur in Arbeitsteilung ist eine wirtschaftliche Betriebsweise möglich. Aber ausgerechnet da verbietet der Staat den Zusammenschluss über das Netz, mit unüberwindbaren Besteuerungs- und Netzmonopolrechten.

  • Moin Gunnar,

    ich war mal so frei den Link zum Infothekbeitrag an die LAG-Energiepolitik der Grünen in Sachsen zu verteilen.

    In diesem Zusammenhang mal eine Frage : wer finanziert das "Zubringer Netz" bei konventionellen Kraftwerken ???

    mfg

  • Hallo Bernd,

    natürlich wäre die von Dir angedachte Betriebsweise BHKW und WP innerhlab eines Verteilnetzes nicht schlecht
    ...aber
    Wer soll denn die Ausbaustufen überwachen? Welch ordnungspolitischen Mittel wären nötig um hier einzugreifen wer BHKW und wer WP zu installieren hätte?

    Nein, ich denk schon dass der Markt (bei passendem Design) es richten könnte und so vollkommen technologieoffen.

    dann bist Du auch öfters -auch in anderen Beiträgen- bei den Kosten

    Zitat

    Die Finanzierung kann nur ein gemeinsames Projekt sein. Netzanschlussgebühren und Versteuerung der Arbeitsteilung haben da überhaupt nichts zu suchen.
    ...
    Aber ausgerechnet da verbietet der Staat den Zusammenschluss über das Netz, mit unüberwindbaren Besteuerungs- und Netzmonopolrechten.


    Dennoch fallen die Kosten real an,
    oder der Staat braucht die Einnahmen für andere Dinge.
    Wenn man hier was wegdiskutieren mag, dann muss das Kompensiert werden.
    Von der Sache hätt ich auch kein Problem damit, wenn Infrastuktur direkt aus dem Staatsäckel bezahlt wird,
    aber das ist schwer politisch umsetzbar. Ein Mrd.-Topf den kaum einer anders refinanzieren mag.
    Desweiteren würde in Konsequnz Strom auch sehr preiswert, wo dann wieder für Verschwendung die Türen offen stehen.

    Ich will "nur noch" ein anderes Marktdesign und das ließe sich über die Netzentgeltverordnung prima regeln
    ...ist ehv schon ein politisches Instrument
    ...Umsetzung im Grunde sehr einfach (nur Verordnung, da brauchts keine Mehrheiten aus Opposition)
    ...ohne einen einzigen cent Förderung in die Hand zu nehmen (weder Staat noch Verbraucher) würde man Anreize schaffen um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen, Ausbau neuer Stromerzeugungsoptionen und sogar Speichertechniken attraktiver zu machen.

  • Hallo,

    um meine Vision der NEtzentgelte mal zu verdeutlich,
    stell ich hier mal eine mail die ich vor längerer Zeit verfasst habe rein.

    Ist eine etwas längere Abhandlung mit benachbarten Themen,
    aber ich hoffe damit meine Gedankengänge Euch etwas näher zu bringen.

    (und aufgrund Zeitmangels nicht die Muße das einzeln aufzudröseln)

  • hui,

    anscheinend war mein statement wohl etwas erschlagend
    ....keine weiteren Antworten?


    aber davon mal abgesehn wollte ich auf was anderes aufmerksam machen
    ....am kommenden Freitag diskutiert der Bundestag über Netzentgelte.
    anscheinend kommt da langsam Musik rein. Vielleicht sollten wir da mal langsam Anregung liefern