Energy Sharing oder Strom mit Nachbarn teilen

  • Hallo Gemeinde,

    seit Mitte 26 gibt es ja laut Gesetz -§42c EnWG- die Möglichkeit Strom legal an den Nachbarn zu liefern. Meine direkten Nachbarn und ich wollen gern von dieser Möglichkeit gebrauch machen und uns gegenseitig überschüssigen Strom liefern, allein im Netz konnte ich noch keinen seriös wirkenden Anbieter finden. Ist Euch einer bekannt ??

    Für hier mitlesende Firmen die evt. ein paar Enthusiasten als Versuchsobjekte brauchen unsere Konfiguration :

    - 4 direkt angrenzende Nachbargrundstücke im Netzgebiet der Mitnetz
    - ca. 40kWp PV ( Alt- Neu- Balkon- Ausgefördert- verschiedenste Ausrichtungen und Winkel , teilweise Wildwuchs oder ANA noch nicht durch ) und 1KW BHKW 8)
    - ca. 157KWh Speicher
    - 4 E-Autos ( mobile Wallboxen je 11KW )
    - ca. 16KW Stromsenke ( Heizstäbe )
    - alle Anlagen verfügen über Victron Multiplus

    In Zweijahresfrist wird noch eine Wärmepumpe ein weiteres E-Auto und noch mindestens 20kWp PV dazukommen.

    So nun bin ich mal Gespannt :popcorn:

  • Puh, das Problem fängt damit an, dass alle Mitmachenden ein iMSys mit entsprechender Grundgebühr haben müssen. Dann kommt das Problem des Zusatzstrombezugs. Mit den PV-Anlagen habt Ihr Strom, wenn dieser an der Börse (fast) nichts kostet (weil alle anderen PV auch einspeisen) aber braucht Strom (z.B. im dunklen Winter für die Wärmepumpen), wenn die Sonne nicht scheint: Teuer. Daher lohnen sich dynamische Tarife mit PV und Wärmepumpe eigentlich nicht. Es ist da in aller Regel preiswerter einen normalen Ein-Zeiten-Tarif für die dunklen (teuren) Zeiten zu nutzen. Bei den Sharing Modellen kommt zudem jede Menge Bürokratie und der Dienstleister (der die Bürokratie bearbeitet) will auch noch eine Rendite sehen. Im Ergebnis ist die Idee zwar toll, aber zum Scheitern verurteilt.

    Mal eine andere Idee: Wenn die PV-Einspeisevergügung nicht ins Gewicht fällt, man auf diese also verzichten könnte, wäre es nicht denkbar, dass Ihr Euch auf einen Stromanschluss beschränkt? Also wie früher, die Leitung über (unter) den Gartenzaun?

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo:

  • Moin Louis, nein geht leider nicht da ist ne öffentliche Strasse dazwischen ( Zwei Grundstücke links, zwei Grundstücke rechts ). Nach meinen Recherchen muß es kein iMSys sein sonder RLM würde ausreichen, ist aber auch egal weil wir bedingt durch die Anlagengrößen eh über lang oder kurz jeder so ein Teil bekommen. Uns wäre es buggi ein paar Cent an nen Dienstleister abzudrücken und Reststrom soll nicht per dynamischen Tarif eingekauft werden - da bin ich eh kein Freund von.

  • RLM wäre nochmal deutlich teurer als iMSys. Natürlich werden iMSys kommen, aber ob man 10 Euro Messstellenkosten hat, oder sich vier Leute jetzt freiwillig vorzeitig ein iMSys einbauen lassen mit 110 Euro Kosten pro Jahr bei bis zu 25 kWp macht einen Unterschied.

    Das Problem ist, dass bei einem Energy-Sharing nicht nach Standardlastprofil abgerechnet wird, sondern der Bilanzkreis viertelstundenscharf gedeckt sein muss – bedeutet in der Praxis, es wird geschaut, ob der Sharing-Bilanzkreis eine Unterdeckung hat und falls ja, erfolgt der Zukauf am Spotmarkt. Und da ist der Strom sehr teuer, wenn es dunkel und kalt ist (also der Sharing Pool seinen Bedarf hat).

    Das Problem ist wie immer in Deutschland: Die ganze Sache ist so komplex, verzwickt und aufwendig, dass es sich in der Praxis einfach nicht lohnt. *lesen* So ein kleiner Dienstleister für ein Sharing hat hohe Fixkosten und noch dazu personalintensive Vorgänge, die kaum automatisierbar sind, die dann kostenmäßig umgelegt werden müssen. Der normale Strombezug über SLP H0 ist ein voll durchautomatisierter, kosteneffizienter Massenprozess. Bedeutet: Der Zusatzstrombezug über einen normalen Haushalttarif ist i.d.R. sehr günstig – insbesondere, wenn man diesen Strom nutzt, wenn es kalt und dunkel ist.

    Ich habe mal ein paar Anbieter angeschaut, will da jetzt für keinen Werbung machen, aber der Preis mit Handling, Netzkosten, Umlagen usw. aus der Community bei z.B. WeShare entspricht einem günstigen Massentarif, den man so normal haben kann (SLP H0). ABER die Kosten für den Zusatzstrombezug des Nicht-Community-Stroms (kalt und dunkel), die höhere Grundgebühr ggü. einem Massentarif und das iMSys kommen noch hinzu. Bedeutet: Das Energy-Sharing nach dem aktuellen Gesetz ist derzeit unwirtschaftlich – in meinem Beispiel in Summe rund 350 Euro Mehrpreis pro Jahr gegenüber einem normalen Billigtarif für meinen Zusatz- und Reservestrombezug.

    Man achte darauf, dass der BHKW-Lieferant nicht gegen § 312 StGB verstößt. :neo: