Erste Eckpunkte zum neuen KWKG 2027: Das Aus für kleine BHKW

  • Ich habe die ersten Unterlagen zum neuen KWKG mit wahrscheinlicher Gültigkeit ab 01.01.2027 erhalten.

    Zitat

    • Stufe 1 (mit Inkrafttreten der Novelle): Die Verdopplung der Fördersätze für kleine Anlagen bis 50 kW nach § 7 Abs. 3a wird aufgehoben.

    • Stufe 2 (ab 01.01.2028): Die Förderstruktur wird vereinfacht. Für Leistungsanteile von weniger als 500 kW gilt ein einheitlicher Fördersatz i.H.v. 7,5 ct/kWh (entspricht einem Wert von 5,0 ct/kWh ohne die oben genannte Stauchung).

    • Stufe 3 (ab 01.01.2029): In Anlehnung an die bevorstehende EEG-Reform entfällt die Förderung für neue Kleinstanlagen mit einer elektrischen Leistung von weniger als 25 kW.

  • Tja, so tötet man das Interesse der Kleinverbraucher an solchen Anlagen ab.

    Ein BHKW mit 25 oder 50 kw (el) ist selbst in einem MFH kaum sinnvoll. Damit zielt die Förderung nur noch auf Großanlagen ind Industrie. Ich habe von dieser Frau im Wirtschaftsministerium nichts anderes erwartet. Das ist sehr gute Lobbyarbeit und das Gegenteil davon, was sie geschworen hat.

  • Man muss Frau Reiche nicht mögen. Aber gerade was die Zukunft der KWK betrifft finde ich die in dem Papier ausgeführte Strategie gar nicht so schlecht, denn seit Leute wie ich (und wohl die meisten in diesem Forum) in die BHKW-Technik eingestiegen sind, haben sich die klimapolitischen Rahmenbedingungen gerade für Klein-BHKW grundlegend verändert.

    Vor 10-20 Jahren war das wärmegesteuerte Klein-BHKW als "stromerzeugende Heizung" für Wohnhäuser eine vergleichsweise klimafreundliche Alternative zu den vorherrschenden Gas- und Ölheizungen: Klimafreundlich deswegen, weil man zwar Gas und Öl verbraucht hat, aber den Strom mit unterm Strich weitaus höherem Energie-Nutzungsgrad (und einem Drittel der Klimagas-Emissionen) erzeugen konnte als – von KKW abgesehen – nahezu alle Kraftwerke in der öffentlichen Stromversorgung.

    Um die hohen Investitionskosten hereinzuholen musste dabei das Ziel sein, einen möglichst hohen Anteil des erzeugten Stroms selbst zu verbrauchen. Da Batteriespeicher bis vor wenigen Jahren prohibitiv teuer waren und Strom aus Eigenproduktion daher nur bei laufendem BHKW verfügbar war, konnte das nur erreicht werden, indem man die Geräte relativ klein dimensioniert hat (am besten noch mit modulierender Leistung für die Übergangszeit) und dadurch sehr hohe Laufstunden möglich wurden. 3-4000 VBh/Jahr war dabei meist das wirtschaftliche Minimum, und so richtig Spaß gemacht hat es oft erst ab 5000 VBh/Jahr. Der eingespeiste Strom war Nebenprodukt, und eine netzfreundliche Steuerung der BHKW-Laufzeiten war weder erforderlich noch in den meisten Fällen technisch machbar. (Ein bisschen netzfreundlicher als beispielsweise Braunkohle-KW waren und sind Klein-BHKW's schon, wenn man sie beispielsweise in der Übergangszeit nach Möglichkeit abends zum Zeitpunkt des höchsten Stromverbrauchs laufen lässt. Aber im Winter laufen Klein-BHKW's wie meines meist zwischen Mitte November und Ende Februar Tag und Nacht durch, egal wie hoch der Strombedarf ist und ob Windstrom verfügbar ist oder nicht.)

    Seit dieser Zeit hat sich vieles geändert:

    • Der Klima-Fußabdruck der öffentlichen Stromversorgung hat sich durch den steigenden EE-Anteil seit 2012 nahezu halbiert und wird in wenigen Jahren (in g CO2/kWh) selbst im Winterhalbjahr unter der Emission aus der Stromerzeugung mit gasbetriebenen BHKW liegen;
    • Bei der Gebäudeheizung ist das Ziel, nahezu vollständig von fossilen Energieträgern wegzukommen;
    • Wärmepumpen sind technisch wie wirtschaftlich weit besser geworden, können in den meisten Gebäuden fossile Heizungen ersetzen und haben bereits mit dem heutigen Strommix einen niedrigeren CO2-Fußabdruck als BHKW;
    • Stromspeicher sind erheblich günstiger geworden, eigenen sich aber nach wie vor kaum zur Energiespeicherung über längere Zeit.

    Erdgas-BHKW's, die wie früher hauptsächlich zur Raumheizung und für den Strom-Eigenverbrauch dienen und ungesteuert (ohne Rücksicht auf im Netz verfügbaren EE-Strom) betrieben werden, haben heutzutage (einschließlich Strom-Gutschrift) bereits einen höheren Klima-Fußabdruck als Heizungs-Alternativen wie die Wärmepumpe. In wenigen Jahren werden sie auch höhere Emissionen haben als der Strommix selbst.

    Trotzdem werden neue Klein-BHKW ja jetzt (anders als unter Habeck!) nicht de facto verboten. Es erscheint aber vor diesem Hintergrund folgerichtig, die KWK-Förderung (die mit dem Geld der Steuerzahler bzw. der Stromkunden bezahlt wird) auf die Einsatz- und Betriebsarten zu beschränken, die auch in dem Zielszenario für eine weitgehend "fossil-freie" Strom- und Wärmeversorgung noch klimapolitische oder volkswirtschaftliche Vorteile bietet. Und das ist nun mal – wie in der Präambel des Papiers ausgeführt – die Abdeckung der Residuallast (auch und gerade als zumindest teilweise Alternative zu den von Reiche propagierten Gasturbinen mit einem Gesamtnutzungsgrad von 40% und Klimagas-Emissionen um 600-700 g CO2/kWh).

    Wir können und sollten hier gerne diskutieren, ob die in dem Papier veröffentlichten Eckpunkte zur zukünftigen KWK-Förderung zur Erreichung dieses Ziels geeignet sind. Vielleicht gibt es ergänzende oder bessere Ideen dazu, vielleicht auch ob die (von den spezifischen Investitionskosten her besonders teure) Mikro- und Nano-KWK in diesem Szenario noch einen Platz haben kann. Aber wir sollten uns dabei im Klaren darüber sein, dass die Zeit der klassischen Klein-KWK – wie oben beschrieben, auch mein BHKW gehört dazu – in wenigen Jahren abgelaufen sein wird.

    |__|:-)

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

    3 Mal editiert, zuletzt von sailor773 (30. September 2026 um 11:53)

  • Dabei lässt du ausser Betracht, daß es viele Gebäude und Anwendungen gibt, die mit dem Temperaturniveau einer WP schlecht zurechtkommen. zB ein größeres Sportstudio - da brauchts min 60 Grad WW, und da kann einiges verbraucht werden. Oder auch ein Schwimmbad. Für dessen Beheizung brauchts auch Temperatur.

    Beides ist zB mit nem BHKW problemlos - ne WP wird da sehr schnell zum El. Durchlauferhitzer.

    Ich bin ganz sicher für WP, PV und Stromspeicher, ich betreibe das auch selbst. Aber meinen 22-jährigen Dachs im MFH kann ne WP nicht ersetzen.

  • Beides ist zB mit nem BHKW problemlos - ne WP wird da sehr schnell zum El. Durchlauferhitzer.

    Ich bin ganz sicher für WP, PV und Stromspeicher, ich betreibe das auch selbst. Aber meinen 22-jährigen Dachs im MFH kann ne WP nicht ersetzen.

    Ist bei uns genauso, im Winter benötigen wir eine Zusatzheizung zur Wärmepumpe, aktuell den Dachs.

    Auch wir benötigen höhere Temperaturen, was bei einer Luft-Wasser Wärmepumpe bei - 10 Grad nicht wirtschaftlich möglich ist.

    Fussbodenheizung dagegen wird weiterhin von der WP versorgt.

  • Die Wärmepumpen werden heutzutage immer besser. Beispielsweise mit der Lambda soll es möglich sein, auch im Winter mit CoP>2 Temperaturen bis 70°C zu erzeugen (wobei m.E. kein Mensch solche Temperaturen braucht – nicht für Warmwasser und auch nicht in schlecht gedämmten Häusern, da würde es genügen leistungsfähigere Heizkörper einzubauen).

    Aber ich gebe zu, dass es Umstände gibt, wo ein klassisches BHKW auch unter Klimagesichtspunkten besser arbeitet als eine Wärmepumpe. Nur sind solche Umstände eher selten: Wenige extrem kalte Tage im Jahr oder wenige extrem schlecht isolierte Häuser, wo das ständig so ist. Auch im Gewerbe-Bereich wird es solche Fälle geben. Und dann gibt es natürlich die Fälle, wo das Aufstellen einer WP aus technischen Gründen (Schallschutz o.dgl.) nicht möglich ist und andere klimaschonende Alternativen (z.B. Holzheizung oder der Anschluss an ein EE-getriebenes Wärmenetz) nicht existieren.

    Deshalb möchte ich keineswegs jemandem ausreden oder gar verbieten sich ein neues BHKW anzuschaffen, und erst recht nicht ein bestehendes weiter zu betreiben (zumal ich Letzteres selbst auch vorhabe). Die Frage ist nur, ob bzw. unter welchen Umständen solche BHKW's heutzutage noch Wesentliches zum Gelingen der Energiewende beitragen können und ob bzw. unter welchen Umständen es daher geboten ist, sie zu fördern. In Zeiten extrem knapper Mittel sollte die staatliche Förderung (die ja letztendlich wir alle bezahlen müssen) auf die Bereiche konzentriert werden, wo sie am meisten bringt. Dass die Klein-KWK derzeit noch ein solcher Bereich ist habe ich meine Zweifel, aber – wie gesagt – vielleicht gibt es ja hier Ideen, die den Mitarbeiter*innen von Frau Reiche noch nicht gekommen sind.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

  • Beispielsweise mit der Lambda soll es möglich sein, auch im Winter mit CoP>2 Temperaturen bis 70°C zu erzeugen (wobei m.E. kein Mensch solche Temperaturen braucht – nicht für Warmwasser und auch nicht in schlecht gedämmten Häusern, da würde es genügen leistungsfähigere Heizkörper einzubauen).

    In vielen Mehrfamilienhäusern reicht die Warmwassertemperatur im Sommerhalbjahr von 44 Grad, im Winter jedoch werden 60 Grad von den Bewohner gefordert. Die Vermieter - so wie auch bei mir - machen sich da keinen Stress und erfüllen die Forderungen.

    Ja theoretisch oder im Prüflabor kann ein COP von über 2 vieleicht bei - 10 Grad und einer Vorlauftemperatur von 65 Grad erreicht werden, aber nicht in der Praxis.

  • Dazu brauchts keine Lambda. Das geht mit vielen Propanmaschinen. Aber das wird genauso unsinnig wie der Versuch mit R32 auf 60 Grad zu kommen. Kurzzeitig für weinige Tage zum Heizen mag das gehen - aber dauerhaft für WW, nein

  • Dazu brauchts keine Lambda. Das geht mit vielen Propanmaschinen.

    Gehen tut das, auch unsere aroTherm plus VWL 125/6 A S2 macht das, auch mit dem COP von 2 aber erstens mit hohem Druck d.h. möglicherweise geht es auf die Lebenserwartung und zum zweiten bei aktuell 22 ct / kWh = 11 ct / kWh Wärmepreis bei einem COP von 2 nicht wirtschaftlich. Wir haben einen Gastarif bis Mitte 27 für 7,5 ct/kWh und der Dachs macht Strom und Wärme also Perfekt für einen Wintertag.


    Es ist also weder Ökonomisch noch Ökologisch sinnvoll, denn im Winter ist der Strombedarf hoch und die Stromerzeugung niedrig. Auch die Elektromobilität verbraucht bei Kälte mehr Strom usw.