Dynmaischer Stromtarif: Zusätzlich Heizen mit Strom, Umbau Heizung und Stromspeicher

  • Ich bin neu in dem Forum und hoffe, dass ich mein Anliegen hier richtig platziert habe.

    Ich möchte die Vorteile des dynamischen Stromtarif nutzen und überlege dabei einen Stromspeicher zu kaufen und außerdem in einen Rücklauf meines Heizungssystems BW-Gastherme Weishaupt eine Heizspirale einzubauen, mit der ich das Wasser der Heizungsanlage das in den 900 l Speicher von der Solarthermie läuft, in Zeiten niedriger Strompreise im Rücklauf aufzuheizen kann. Dabei halte ich eine mit Systemtrennung vom restlichen System für sinnvoll.

    Ich habe einen Gasverbrauch von etwa 18.000 kWh und 3500 kWh Strom im Jahr. Der derzeitige Gasvertrag endet im Februar 2027. Ich gehe davon aus, dass die Preise deutlich anziehen werden.

    Eine PV-Anlage existiert noch nicht, das Satteldach ( ca.6 *12 m) auf der Südseite ist durch 2 große Satteldachgauben und 4 ST-Module stark eingeschränkt, auf der Nordseite mittig eine Schleppdachgaube ca. 2 m breit. Möglich wäre eine Zaunanlage ca. 15 m in Nord-Südverlauf.

    E-Auto und Wall-Box sind noch nicht vorhanden.

    Ich stehe erst am Anfang der Planung und bin für alle Tipps (Infoquellen, bewährte Technik für Heizspirale, Regelung, Wärmetauscher, usw.) dankbar

  • Moin Otto,

    beim Nutzen von dynamischen Stromtarifen für die Heizung als Alternative zum Gas muss man beachten, dass man für den Strom zusätzlich zum Börsenpreis auch Netzentgelte und diverse Steuern und Abgaben zahlen muss. Wie viel genau das ist hängt von Deinem Stromlieferanten ab. Als grobe Abschätzung kann man ca. 5 ct/kWh für Steuern und Umlagen ansetzen, plus ca. 9 ct/kWh für Netzentgelte – zusammen ca. 14 ct/kWh netto plus Umsatzsteuer darauf. Die Gewinnspanne Deines Stromlieferanten einschl. USt kommt dann noch hinzu. Will heißen: Selbst in den (nicht ganz seltenen) Zeiten, wo der Börsenstrompreis um Null liegt, müsstest Du für den in dieser Zeit bezogenen Strom immer noch ca. 17 ct/kWh zahlen, was jedenfalls deutlich über dem Gaspreis liegt (m.E. auch deutlich über über dem ab März 2027 zu erwartenden Gaspreis).

    Bevor Du einen Haufen Geld investierst rate ich Dir deshalb, Dich bei Deinem Stromlieferanten zu erkundigen, wie viel Aufschläge auf den Börsenpreis er tatsächlich verrechnet. Wenn es mehr als 8-10 ct/kWh brutto sind, kannst Du das Projekt "Heizspirale" m.E. vergessen. (Möglicherweise gibt es demnächst dynamische Netzentgelte, das würde den Strom in Schwachlast-Zeiten günstiger machen. Aber die Steuern und Umlagen bleiben.)

    Auch zu beachten ist, dass im Sommerhalbjahr niedrige Strompreise hauptsächlich tagsüber (etwa 10:00h bis 16:00h) anfallen, wenn es viel Sonne gibt. Da hast Du aber nichts von, weil genau in diesen Zeiten Deine ST-Anlage den Wärmespeicher kostenlos füllt.

    Wenn bei genauerem Abschätzen herauskommt, dass wirklich günstiger Strom (also deutlich unter 10 ct/kWh einschl. aller Steuern und Abgaben) im Winterhalbjahr eher selten zur Verfügung steht, würde ich ihn – wenn überhaupt – nicht in der Heizung sondern in der Warmwasserbereitung einsetzen. Solarspeicher haben oft in der Mitte oder etwas oberhalb die Möglichkeit einen Heizstab anzubringen. Diesen kann man dann mit Hilfe einer geeigneten Steuerung einschalten, sobald der Strompreis unterhalb einer bestimmten (einstellbaren) Schwelle liegt.

    Wir haben für unsere Wallboxen einen Controller von go-e, der (alternativ zur Nutzung von PV-Überschussstrom) diese Möglichkeit bietet. Dort könnte man statt der Wallbox natürlich auch einen Heizstab anschließen. Der Preis lag bei ca. 200 EUR, Einbau käme hinzu. Aber vielleicht kennt jemand hier eine günstigere Lösung. Zusätzlich braucht jede solche Schaltung auch eine temperaturgesteuerte Ausschaltregelung (damit Dir nicht der Kessel platzt wenn es mehrere Tage günstigen Windstrom gibt), aber die sind billig zu haben oder bereits im Heizstab eingebaut.

    Was die PV betrifft: Auf Deinem Dach sehe ich – so wie Du das beschreibst – wenig Möglichkeiten. Ein Nord/Süd-Zaun käme vielleicht in Frage, aber nur wenn (bzw. soweit) er ganztägig weitgehend unverschattet ist, am besten von beiden Seiten: Dann könntest Du bifaziale Module einsetzen (die produzieren auch Strom, wenn sie von hinten bestrahlt werden). Ein vielleicht besserer Ansatz wäre das Anbringen von PV-Modulen an einer Südfassade (sofern vorhanden und unverschattet). Und wenn Du eines Tages eine Wärmepumpe einbaust, könntest Du die ST-Anlage abbauen und durch eine PV-Anlage ersetzen. Wenn allerdings nicht mehr unverschatteter Platz auf dem Dach ist als die vielleicht 8 Quadratmeter große ST-Anlage einnimmt, kannst Du damit keine großen Sprünge machen.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

    2 Mal editiert, zuletzt von sailor773 (18. September 2026 um 11:35)

  • Ich möchte die Vorteile des dynamischen Stromtarif nutzen und überlege dabei einen Stromspeicher zu kaufen

    Ich kenne mehrere die einen dynamischen Stromtarif hatten und wieder auf Fixtarif zurück gewechselt haben, eben da es auch Nachteile gibt.

    eine Heizspirale einzubauen, mit der ich das Wasser der Heizungsanlage

    Warum keine Wärmepumpe ?

    Da bekommt man derzeit eine Förderung und heizt dann ohne Gas oder Öl

  • Nachtrag: Stromspeicher plus dynamischer Stromtarif könnte technisch Sinn machen, gerade wenn man keine PV-Anlage hat (mit PV sind dynamische Strompreise außerhalb der drei Wintermonate meist wenig ergiebig, egal ob mit oder ohne Stromspeicher). Ob sich ein Stromspeicher damit rechnet ist eine andere Frage und hängt ebenfalls von der Preisgestaltung Deines Stromversorgers ab, v.a. im Vergleich zu den bei Dir verfügbaren günstigen Fixtarifen. (Immerhin würde der auf diese Weise speicherbare günstige Strom im dynamischen Tarif teuren Spitzenlast-Strom ersetzen und müsste sich nicht wie das Stromverbrennen im Heizstab mit Gaspreisen um 10 ct/kWh messen.)

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

    Einmal editiert, zuletzt von sailor773 (17. September 2026 um 14:29)

  • ich danke euch für die ausführliche Info. Muss das Ganze erstmal sacken lassen. Da der Elektriker meines Vertrauens mir wg. Arbeitsüberlastung gestern auf Sankt Nimmerleinstag vertröstet hat wird es so schnell noch nichts werden.