Erfahrungsbericht: Wärmewende mit Wärmepumpe in einer Wohnungseigentümergemeinschaft mit 6 Wohnungen

  • Ausgangspunkt – Beschreibung der Situation.

    Wir sind eine Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) in einem Doppelhaus mit insgesamt 6 Parteien. Fertigstellung der Immobilie war 1997. Seit dieser Zeit wurde weder energetisch noch heizungstechnisch etwas modernisiert. Die Ölheizung lief noch ohne Probleme, war aber eine Wette auf Zeit. Der Energiebedarf war ca 5500l Öl/a.

    Die Idee

    Auf Basis der öffentlichen Diskussion und auch dem Ansinnen einiger Eigner entsprechend etwas für die Ökologie zu tun, begann man über den Austausch der Heizung nachzudenken.

    Der Energieberater

    In einer Eigentümerversammlung wurde beschlossen, sich über einen Energieberater einen Sanierungsplan erstellen zu lassen. Die Kosten für den Energieberater werden von der KfW gefördert, so dass pro Haus nur ein geringer Betrag in diese Analyse investiert werden musste.
    Der Bericht des Energieberaters und die anschließende Vorstellung und Diskussion im Rahmen einer Eigentümerversammlung war allerdings ernüchternd. Zuerst sollten die Gebäudeisolation, Dachisolation und Fenster erneuert werden bevor an den Austausch einer Heizung herangegangen werden sollte. In Summe wurden Investitionen von mehreren 100T € abgeschätzt und das noch ohne den Austausch der Heizung zu berücksichtigen.
    Der Beschluss der Eigentümerversammlung war deswegen eindeutig: keine kurzfristige Änderung, da die aktuellen Energiekosten durchaus akzeptabel sind und eine Amortisation der hohen Summen nicht in überschaubarer Zeit (<20 Jahre) möglich gewesen wäre. Man hatte allerdings beschlossen, die jährlichen Rücklagen signifikant zu erhöhen, um ein Polster für spätere Investitionen aufzubauen. Das hat sich nachträglich als sehr nützlich erwiesen (s.u.).
    Das Thema Sanierung der Heizung erschien mittelfristig als erledigt.
    Diese Erfahrung mit unserem Energieberater mag eine Ausnahme sein. Es empfiehlt sich nicht gleich aufzugeben und eine zweite oder dritte Meinung einzuholen. Leider werden dann die Kosten für diese Berichte auch höher.

    Der Nachbar zeigt, wie’s geht

    Die Wende kam, als der Nachbar, dessen Haus in der gleichen Zeit gebaut wurde, plötzlich eine Wärmepumpe mit Solaranlage installieren ließ. Die Eigner sind in Kontakt mit dem Nachbarn getreten und haben den Erfahrungsbericht mit Erstaunen aufgenommen. In diesem Gespräch wurden alle Thesen, die so offensichtlich gegen eine Wärmepumpe gesprochen hatten, diskutiert. Das Haus hatte die gleiche, wenn nicht sogar geringere, Isolierung als das eigene Objekt. Ebenso sind nur normale Heizkörper verbaut und keine Fußbodenheizung vorhanden. Der Austausch der bestehenden Heizung durch die Wärmepumpe, die auf dem Garagendach montiert ist, inklusive aller Speicher und Verrohrung erschien plausibel und gut gelöst.
    Fazit: es geht und es macht, rein aus wirtschaftlichen Gründen, Sinn in eine Wärmepumpe zu installieren.

    Finde einen Lieferanten

    Im Gespräch mit dem Nachbarn wurde natürlich auch der Installateur und die Erfahrungen mit der Umstellung diskutiert. Nach den überwiegend positiven Rückmeldungen hat die Hausverwaltung Kontakt mit dieser Firma aufgenommen. Die ersten Gespräche verliefen sehr hoffnungsvoll, so dass die Eigentümergemeinschaft beschlossen hatte, tiefer in das Thema Umstellung der Heizung einzusteigen.
    Als Hausverwalter muss man bei solchen Investitionen mindestens 3 Angebote einholen.
    Das erwies sich als deutlich schwieriger als erwartet. Die meisten Anbieter von Wärmepumpen, insbesondere die, welche durch offensive Werbung bekannt sind, haben keinerlei Interesse an einer Installation für eine WEG gezeigt. Zu kompliziert, zu wenig standardisiert und damit zu hohes Risiko. Offensichtlich verdient man mit normalen Einfamilienhäusern einfacher das Geld.
    Es waren zahlreich Kontakte, Gespräche und vor Ort Termine nötig, um letztendlich 3 Angebote zu erhalten, welche technisch vergleichbar und gut ausgearbeitet waren und wo auch alle hausspezifischen Belange berücksichtigt wurden.
    Wichtig dabei ist ein Komplettpreisangebot zu bekommen in dem alle benötigten Arbeitsleistungen enthalten sind. Ansonsten ist man in der Pflicht alle Gewerke selber zu beauftragen und terminlich zu organisieren. Manche Gewerke können nach Aufwand angeboten und abrechnet werden, da diese möglicherweise vom Lieferanten an andere Unternehmen vergeben werden.
    Selbstredend ist, dass es bei einer solch komplexen Installation nicht angeraten ist nur auf den billigsten Anbieter zu setzen, sondern Erfahrung und Referenzen anderer Kunden müssen bei der Auswahl berücksichtigt werden.

    Wohin mit den Wärmepumpen?

    Als besondere Herausforderung zeigte sich einen Platz für die 2 Wärmepumpen zu finden. Die Montage auf einer Garage oder Carport schied wegen technischer Machbarkeit aus. Einen der bestehenden Parkplätze zu „opfern“ war natürlich unmöglich. Das Projekt drohte an dieser Frage zu scheitern. Gerade bei einer WEG sind die verfügbaren Flächen oftmals sehr beschränkt und über Sondernutzungsrechte in der Teilungserklärung an die Eigner vergeben.
    Glücklicherweise hat einer der Eigner einen Teil des Sondernutzungsrechts an die Gemeinschaft abgegeben. Eine entsprechende Vergütung des Eigners wurde abgestimmt.
    Die Wasserspeicher, Pumpen, Ventile, Ausgleichsbehälter, welche in Summe und Volumen deutlich größer sind als bei der Öl-Heizung konnten sehr gut im alten Öltankraum untergebracht werden.

    Amortisation

    Um in einer WEG eine solch hohe Investition durchführen zu können, sollte eine Beschlussfassung einstimmig erfolgen. Das kann aber je nach der Zielsetzung oder Situation der Eigner schwierig werden. Bei einer 2/3 Mehrheit im Beschluss muss eine Amortisation im „vertretbaren“ Zeitrahmen vorliegen. Ansonsten können sich einzelne Eigner aus der Finanzierung des Projektes herausziehen. Das macht natürlich die Finanzierung schwieriger und hat zudem das Problem, wie später die Heizkosten fair verteilt bzw. berechnet werden können.
    Aus diesem Grund wurden mehrere Szenarien einer Amortisationszeit errechnet: Unter Berücksichtigung der staatlichen Förderung (s.u.) und den potentiellen Austauschkosten der bestehenden Heizung, inkl. den Zusatzkosten, die durch zwingende Photovoltaik oder Solarthermie entstehen würden, konnte eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Amortisation von kleiner 10 Jahren abgeschätzt werden:

    Amortisationszeit in Jahren abhängig vom Öl- und Strompreis.

    Auf Basis dieser Kalkulation und dem Vorliegen von technisch gut ausgearbeiteten Angeboten wurde die Umstellung in einer Eigentümerversammlung einstimmig beschlossen.

    KfW und Finanzierung

    Auf Basis des Gesetzes zur „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM)“ konnten wir eine Förderung von 51,5% erreichen. 35% Förderung der WEG; 20% Turboprämie für selbst genutzten Wohnraum beim Austausch einer funktionalen Ölheizung (zutreffend bei 5 von 6 Eignern).
    Der Rest der Finanzierung konnte aus den Rücklagen entnommen werden (s.o.).
    Ein unerwartetes Problem trat bei der Zwischenfinanzierung der Förderung durch die KfW auf. Auf den Hinweisseiten der KfW steht, dass diese Zwischenfinanzierung mit geringem Zins gefördert wird und bei der „Bank der Wahl“ beantragt werden kann. Leider findet sich momentan keine Bank, die einer WEG einen Kredit einräumt. Zumindest nicht für die benötigte Höhe. Zu viel Aufwand bei zu geringem Zinsertrag. Das Problem konnte nur durch einen (teuren) Privatkredit mit Option der Sondertilgung gelöst werden.

    Installation und Inbetriebnahme

    Wie schon bei der Suche nach Anbietern angedeutet, sind Projekte dieser Art für eine WEG eine Sonderlösung. Trotz vielfacher und intensiver Vorbereitung kann man nicht alle Probleme im Vorfeld klären. Deswegen ist es umso wichtiger, einen kompetenten Lieferanten zu wählen. Wer ausschließlich auf die Höhe des Angebots schaut, wird dies möglicherweise später teuer bezahlen.
    In unserem Fall hat es 2 Tage gedauert, bis die Fundamente der Wärmepumpen gesetzt waren und die Verrohrung ins Gebäude komplett war.
    Der Austausch der Ölheizung und die Installation der Wärmepumpen, Speicher, Pumpen und Steuerung hat dann weitere 7 Arbeitstage benötigt.
    Aber selbst damit sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Das „Einfahren“ einer solchen Anlage ist nur über Erfahrungswerte möglich. Insbesondere im Verlauf der ersten 2 Heizperioden sind kontinuierliche Optimierungen am System notwendig. Diese Arbeiten werden idR durch den Lieferanten der Anlage durchgeführt. Zudem sollte mit dem Lieferanten ein Service- bzw. Wartungsvertrag abgeschlossen werden. Ein Ausfall der Wärmepumpe ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch hohe Folgekosten auslösen.

    Woher kommt der Strom?

    Bei einem Strombezug von ca 9000 kWh pro Jahr, dabei ist der Strom der durch die PV-Anlage erzeugt wird schon abgezogen, ist es sehr rentabel einen optimalen Stromtarif zu verwenden.
    Ein „normaler“ Haustarif ist da bestimmt keine gute Lösung. Besser ist der Bezug von dynamischen Stromtarifen, die sich am Börsenpreis orientieren. Dazu ist ein EnergyManagementSystem und ein SmartMeter notwendig. Das System wertet die Börsenpreise des Folgetages aus und kann anhand von Wetterprognosen und Strompreisen die Wärmepumpen steuern.

    Fazit: Es geht!

    Ohne eine engagierte Hausverwaltung und/oder einen technischen Vorstand aus dem Kreis der Eigner, die mit viel Idealismus und hohem Zeitaufwand so ein Projekt vorantreiben, ist es allerdings nicht durchführbar.
    Bei WEGs mit höherer Anzahl an Eignern wird die notwendige Zustimmung zu einer derartigen Investition schwierig werden.

    Konfiguration und Daten:
    2 Häuser (Seite an Seite) mit insg. 6 Wohneinheiten und ca 600m² Wohnfläche.
    Gemeinsame Heizung und Wasserversorgung
    Jährlicher Energiebedarf (Warmwasser und Heizung): 52000 kWh
    2x Wärmepumpe: Lambda EU13L
    je 1000l Pufferspeicher für Warmwasser und Heizung
    Frischwassermodule für Warmwasser (keine Prüfung auf Legionellen notwendig)
    Solaranlage: 11kWp
    Jährlicher Strombezug ca. 9000kWh

  • Ein „normaler“ Haustarif ist da bestimmt keine gute Lösung. Besser ist der Bezug von dynamischen Stromtarifen, die sich am Börsenpreis orientieren.

    Vielen Dank für Deinen tollen Bericht.

    Meiner Erfahrung nach ist ein normaler Wärmestromtarif, wir zahlen aktuell 20 ct / kWh besser.

    Ich würde mich freuen wenn es hier noch ein Erfahrungsaustausch geben würde.

  • Gratuliere: Super Bericht, super Projekt.:thumbup:

    Mich würde noch interessieren, welche Heizkreis-Vorlauftemperaturen in dem Gebäude (beispielsweise bei 0°C) herrschen. Wurde ggf. etwas gemacht um diese abzusenken?

    Zweite Frage: Wie hoch schätzt Ihr den Beitrag der PV-Anlage zum Stromverbrauch der Wärmepumpen (übers Jahr gerechnet)?

    Und zur PV: Warum nur 11 kWp? Hat nicht mehr aufs Dach gepasst oder war die PV-Leistung das Ergebnis einer optimierten Wirtschaftlichkeitsrechnung? Und gibt es einen Stromspeicher?

    Ein Erfahrungsbericht nach beispielsweise einem Jahr Betrieb wäre glaube ich hier auch von hohem Interesse.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

  • Ein „normaler“ Haustarif ist da bestimmt keine gute Lösung. Besser ist der Bezug von dynamischen Stromtarifen, die sich am Börsenpreis orientieren.

    Vielen Dank für Deinen tollen Bericht.

    Meiner Erfahrung nach ist ein normaler Wärmestromtarif, wir zahlen aktuell 20 ct / kWh besser.

    Ich würde mich freuen wenn es hier noch ein Erfahrungsaustausch geben würde.

    Einen Wärmestromtarif hatten wir uns auch überlegt. Allerdings hätte der zusätzliche Zähler nicht mehr in den Zählerschrank gepasst und die Verlegung nach aktuellen Normen wäre aufwendig und teuer geworden.


    Mich würde noch interessieren, welche Heizkreis-Vorlauftemperaturen in dem Gebäude (beispielsweise bei 0°C) herrschen. Wurde ggf. etwas gemacht um diese abzusenken?

    Zweite Frage: Wie hoch schätzt Ihr den Beitrag der PV-Anlage zum Stromverbrauch der Wärmepumpen (übers Jahr gerechnet)?

    Und zur PV: Warum nur 11 kWp? Hat nicht mehr aufs Dach gepasst oder war die PV-Leistung das Ergebnis einer optimierten Wirtschaftlichkeitsrechnung? Und gibt es einen Stromspeicher?

    Ein Erfahrungsbericht nach beispielsweise einem Jahr Betrieb wäre glaube ich hier auch von hohem Interesse.

    Den Heizkreislauf können wir erst in der nächsten Heizperiode einfahren. Ich gehe von einer Vorlauftemperatur von 55°C oder knapp darüber aus.
    Die PV Anlage wird etwa 11000kWh Strom liefern. Davon werden 2000kWH verbraucht werden. Stromspeicher haben wir (noch) keinen. Die 11 kWp wurden hauptsächlich gewählt weil ein großer Teil der Dachflächen über eine Teilungserklärung den Eignern für eigene PV Anlagen zur Verfügung stehen.
    Einen Erfahrungsbericht nach der nächsten Heizperiode werden wir natürlich liefern.

    Einmal editiert, zuletzt von Neuendorfer (19. Juli 2025 um 00:14) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von WEG_Friolzheim mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Danke für den ausführlichen Bericht :)

    Euer erster Energieberater - an sich stimmt das, was er sagt, wenn man eine Komplettsanierung macht.

    Tauscht man erst die Heizung und isoliert danach, ist die neue Heizung gleich überdimensioniert.

    Eine Immobilie aus 1997 ist allerdings schon ganz ordentlich isoliert.

    Warum sich aber das Gerücht so hartnäckig hält, dass ein Haus unbedingt gut isoliert sein muss, damit eine Wärmepumpe wirtschaftlich betrieben werden kann? Ich behaupte, es verhält sich genau anders herum. Ein sehr gut isoliertes Haus kann man mit einer el. Direktheizung wirtschaftlich beheizen. Ein schlecht isoliertes Haus, das 8 von 12 Monaten beheizt werden muss, obwohl es draußen nicht kalt ist, profitiert viel stärker von einer Wärmepumpe. Optimal, wenn da noch eine Fußbodenheizung vorhanden ist.

    Wegen Platz im Zählerschrank - das solltet Ihr evtl. in paar Jahren noch mal in Betracht ziehen. Zum Einen habt Ihr dann belastbare Verbrauchswerte. Außerdem ist zu erwarten, dass Gateway und Steuerbox früher oder später in den Zähler integriert sind und dadurch wieder mehr Platz im Zählerschrank ist.

  • Euer erster Energieberater - an sich stimmt das, was er sagt, wenn man eine Komplettsanierung macht.

    Tauscht man erst die Heizung und isoliert danach, ist die neue Heizung gleich überdimensioniert.

    Eine Immobilie aus 1997 ist allerdings schon ganz ordentlich isoliert.

    Das ist genau der Punkt. Bei Gebäuden ab ca. 150 kWh/m2 Wärmebedarf würde ich auch erst mal eine vernünftige energetische Sanierung empfehlen (wobei es selbst da meist nicht sinnvoll sein dürfte gleich auf KfW40 Standard hochzurüsten). Aber ein Energieberater darf halt nicht nach einem Einheits-Schema vorgehen, sondern muss den Zustand des Gebäudes und im Verhältnis dazu die Wirtschaftlichkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen berücksichtigen. Das ist hier offenbar nicht geschehen. Wenn man als Energieberater als einzige Sanierungs-Option einen unwirtschaftlich teuren Idealzustand vorschlägt, ist in der Realität meist das Ergebnis, dass dann stattdessen gar nichts passiert. Vielleicht hätte es hier durchaus Möglichkeiten gegeben, an Stelle eines teuren Idealzustandes für verhältnismäßig kleines Geld zehn oder zwanzig Prozent vom ohnedies nicht exorbitant hohen Wärmebedarf einzusparen. Wenn das jetzt nicht geschieht, liegt es an einer falschen Beratung.

    Warum sich aber das Gerücht so hartnäckig hält, dass ein Haus unbedingt gut isoliert sein muss, damit eine Wärmepumpe wirtschaftlich betrieben werden kann?

    Ich glaube das Gerücht kommt vor allem daher, dass schlecht isolierte (= alte) Häuser meist auch hohe Heizkreistemperaturen haben. Mit den 70°C-Systemen, die noch in den 60er und 70er Jahren eingebaut wurden, und den darauf abgestimmten relativ kleinen Heizkörpern kommt eine WP nun mal deutlich schlechter klar als mit den HK-Temperaturen in modernen Systemen oder gar Flächenheizungen.

    Wenn man dann aber so ein Gebäude vernünftig dämmt, müssen die Heizkörper womöglich nur noch die Hälfte oder gar nur ein Viertel der früheren Leistung bringen: Und auf einmal ist es möglich, die Vorlauftemperaturen auf WP-freundliche 35-45°C abzusenken, ohne dass es ungemütlich wird oder Änderungen an den Heizkörpern (geschweige denn der extrem teure nachträgliche Einbau von Flächenheizungen) nötig wären.

    Ein sehr gut isoliertes Haus kann man mit einer el. Direktheizung wirtschaftlich beheizen. Ein schlecht isoliertes Haus, das 8 von 12 Monaten beheizt werden muss, obwohl es draußen nicht kalt ist, profitiert viel stärker von einer Wärmepumpe.

    Dass mit höherem Wärmebedarf der Vorteil einer WP steigt ist klar. Dennoch würde ich bei schlecht isolierten Gebäuden (damit meine ich alles, was deutlich über den Durchschnitts-Wärmebedarf von ca. 140 kWh/m2 hinausgeht) eher eine maßvolle, wirtschaftlich optimierte Sanierung und eine – dann kleinere – WP empfehlen als nur eine WP. Andererseits: Ein Bestandsgebäude so weit hochzudämmen, dass eine elektrische Direktheizung günstiger wird als eine Wärmepumpe, dürfte in den meisten Fällen weder wirtschaftlich sinnvoll noch architektonisch möglich sein. Vermutlich greift auch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden die "80/20"-Regel, so dass eine wirtschaftlich optimierte Sanierung wohl eher auf einen Wärmebedarf von 40 bis 80 kWh/m2 hinausläuft als auf einen Idealzustand für Neubauten. Und dieser Bereich ist für den Einsatz von Wärmepumpen ideal.

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller

  • Einen Wärmestromtarif hatten wir uns auch überlegt. Allerdings hätte der zusätzliche Zähler nicht mehr in den Zählerschrank gepasst und die Verlegung nach aktuellen Normen wäre aufwendig und teuer geworden.

    Du kennst einen solchen Umbau ?

    Unsere Zähler sind im Treppenhaus angebracht. Das ist heute nicht mehr zulässig. D.h. bei größeren Umbauten oder Verstärkung des Hausanschlusses muss der Zählerschrank nach geltenden Richtlinien umgebaut oder verlagert werden: in einen Raum mit feuerfester Tür.

  • Das Problem mit Zählerschrank im Treppenhaus war mir klar, aber "Raum mit feuerfester Tür"? Hab' ich noch nie gehört. Wo steht das, und was soll das für einen Sinn machen?

    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012
    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010
    Solarthermie Viessmann Vitosol 300 Vakuumröhren 13,8 qm (Vorgänger Flachkollektoren 14 qm 2004-2021, davor 8 qm 1979-2003)
    E-Autos: BMW i3 seit 2/2024 und Audi Q4 e-tron (45 quattro) seit 12/2024, an zwei go-e Wallboxen mit Controller